CEO-Studie

Sprungfähigkeit.

Digitale Technologien wie Smartphones oder Business Analytics-Tools eröffnen grundlegend neue Chancen und Risiken. Die Unternehmenslenker bereiten sich zunehmend auf disruptive Tendenzen vor. 

Was haben die Reisebranche und die Pharmaindustrie gemeinsam? Traditionell nicht sehr viel. Doch die neue digitale Welt mit dem Internet und der Mobiltelefonie, Social Media oder Business Intelligence haben viele Gemeinsamkeiten geschaffen – vor allem Herausforderungen: Gerade CEOs mit umfangreicher Erfahrung wie etwa TUI-Boss Friedrich Joussen, Roche-Lenker Severin Schwan oder Yahoo-Chefin Marissa Mayer wissen, dass ihre Organisationen langfristig nur überleben werden, wenn sie sich an die technologisch bedingten, immer häufigeren und tiefgreifenderen disruptiven Wechsel in Wirtschaft und Gesellschaft einstellen.

Wie der aktuelle «CEO Survey» der Unternehmensberatung PWC belegt, reift diese Einsicht bei Topleadern schnell zunehmend: Von den mehr als 1’300 weltweit befragten CEOs äußerten 58 Prozent Besorgnis wegen des hohen Tempos des technischen Wandels durch digitale Innovationen. 2014 waren es erst 47 Prozent.


Smartphones wichtiger als Cloud.
Allerdings sehen viele der Spitzenmanager gleichzeitig auch Chancen und neue Perspektiven durch die Nutzung der digitalen Technologien: Als wichtigstes strategisches Feld betrachten 81 Prozent dabei den Einsatz mobiler Technologien für die Gestaltung der Kundenbeziehungen.

An zweiter Stelle folgen mit 80 Prozent Tools für Business Analytics und Data Mining für die tiefgehende Analyse von Geschäftszahlen und Trends, Organisation und Abläufen. Der drittwichtigste strategische Bereich ist für die befragten CEOs mit 78 Prozent die Computer- und Internet-Sicherheit (Cyber Security).

Andere Felder der digitalen Technologien sind aus der Sicht der Topleader strategisch für ihr Unternehmen weniger wichtig, wenn auch immer noch sehr bedeutend: Für 65 Prozent der befragten CEOs gehören dazu die automatischen Datenverbindungen per Sensoren zwischen Gegenständen, wie etwa Maschinen, Autos oder Smart Watches, die mit Computerintelligenz ausgerüstet sind («Internet der Dinge»); 61 Prozent erachten neue Geschäftsprozesse, die durch Soziale Medien wie Facebook oder Twitter angestoßen werden, als strategisch wichtig; 60 Prozent sehen das auch im Hinblick auf das Speichern und Bearbeiten von Daten in entfernten Rechenzentren (Cloud Computing).


Beitrag zu operationaler Effizienz.
Als sehr praktisch beurteilen die internationalen Spitzenmanager den möglichen Wertschöpfungsbeitrag digitaler Technologien für die Unternehmen: Im Vordergrund steht eindeutig der unmittelbare betriebswirtschaftliche Nutzen für die operationale Effizienz des Geschäfts. 88 Prozent der Befragten sagen, dass digitale Technologien dazu einen ziemlich hohen oder sogar hohen Beitrag leisten. An zweiter Stelle folgen mit 84 Prozent der ebenfalls naheliegende Nutzen digitaler Technologien für die Datenqualität und die Datenanalyse.

Dagegen rangieren die von Experten oftmals als besonders wichtig genannten Felder mit hohen Wertbeiträgen deutlich dahinter: eine bessere Kundenzufriedenheit mit 77 Prozent und Kapazitäten für mehr Innovation mit 71 Prozent.
Gefragt nach den stärksten Einflussfaktoren außerhalb ihrer Branche auf das eigene Unternehmen, stellen die CEOs klar die digitalen Technologien in den Vordergrund: 32 Prozent sind der Meinung, dass aus diesem Bereich auch die härtesten branchenfremden Wettbewerber angreifen werden.

Erfolgreiche Beispiele für eine Konkurrenz, die klassische Branchengrenzen überschreitet, gibt es heute schon: Sie reichen von Apples Smartphones über Finanzdienstleistungen von PayPal bis hin zu Cloud Services des E-Commerce-Anbieters Amazon. Die erwartete Expansion Apples in das Autogeschäft oder Aktivitäten von Google im Gesundheitssektor lassen künftig noch schärfere branchenübergreifende Konkurrenz seitens der Anbieter digitaler Technologien erwarten.

Konkurrenten aus anderen Industrien werden nach Ansicht der befragten CEOs als mögliche branchenfremde Konkurrenten mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit auftreten. Die höchsten Werte nach dem Technologie-Sektor haben gemäß der CEO-Umfrage der Handel (19 Prozent), die Kommunikations-, Medien- und Unterhaltungsindustrie (16 Prozent) sowie die Dienstleister aus den Bereichen Professional Services und Finanzdienstleistungen (inklusive Immobilien) mit jeweils 13 Prozent.

Umgekehrt planen immer mehr CEOs eigene Aktivitäten und Investitionen auf dem Gebiet digitaler Technologien: 86 Prozent der Befragten haben dafür eigenen Angaben zufolge bereits eine Vision, 83 Prozent auch schon einen klaren Investitionsplan. Aber erst 15 Prozent haben derartige Pläne auch schon in Form von neuen Produkten und Services umgesetzt.
 

Persönliche Nutzung als Rüstzeug.
Vielleicht liegt dieses Zögern daran, dass viele CEOs noch daran zweifeln, ob ihr Unternehmen für derartige Expansionen auch wirklich gerüstet ist. Denn laut einer anderen PWC-Befragung sehen nur 20 Prozent ihre Organisation mit einem exzellenten «Digital IQ» ausgestattet.

Deshalb sind sich die Topleader darüber bewusst, dass sie im Hinblick auf jedwede neue Wettbewerber ebenso wie auf plötzliche, disruptive Markttrends äußerst wachsam bleiben müssen.

Die Unternehmenslenker wollen sich, so ein weiteres Ergebnis der CEO-Umfrage, zunehmend auch höchstpersönlich um das Thema der digitalen Technologien kümmern: 86 Prozent halten es für wichtig, dass sie selbst die entsprechenden Dienste und Geräte nutzen.
 

 

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net 
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