Studie

"Uberization" mit Disruptionen.

Immer mehr Topmanager sorgen sich wegen branchenfremder Konkurrenz, radikal neuen Marktregeln und disruptiven Ereignissen. Doch sie sehen auch Helfer: kognitive Analysen und lernende IT-Systeme.

 

In den Topetagen der Unternehmen grassiert die Angst vor der «Uberization». Dieser Trendbegriff – abgeleitet von Uber, dem umstrittenen Internetvermittler von Fahrdienstleistungen – umschreibt das Aufweichen von Branchengrenzen durch neue Wettbewerber in den verschiedensten Bereichen. Laut einer aktuellen Studie des «IBM Institute for Business Value» (IBV) ist der Anteil an Führungskräften, die erwarten, sich immer stärker gegen branchenfremde Mitbewerber behaupten zu müssen, innerhalb der vergangenen beiden Jahre um mehr als ein Viertel gestiegen – von 43 Prozent im Jahr 2013 auf aktuell 54 Prozent.

Für die Studie «Redefining Boundaries: Insights from the Global C-suite Study» wurden in über 70 Ländern rund 5’200 CEOs, CMOs, CFOs und CIOs aus öffentlichen und privaten Unternehmen in 21 Branchen befragt. Das Reizwort bei vielen Interviewpartnern aus dem Topmanagement lautet «Industriekonvergenz»: Laut Studie bewerten immer mehr CxOs die Annäherung bislang strikt voneinander getrennter Branchen als den bestimmenden Einflussfaktor auf ihre Geschäfte in den kommenden drei bis fünf Jahren.

Die Studienautoren beobachten auf vielen Wettbewerbsfeldern neue Regeln und mahnen: «Bereiten Sie sich auf digitale Invasoren vor!» Topmanager müssten sich auf neuartige Bedrohungen einstellen, die oft für lange Zeit unsichtbar blieben, bis es schließlich zu spät für Gegenmaßnahmen sei.


Versteckte Konkurrenz früh erkennen.
Doch es gibt viele Optionen, sich zu wappnen: So wollen sich laut dieser Studie 69 Prozent der Fortgeschrittensten unter den Studienteilnehmern stärker auf die neuen Märkte fokussieren; 62 Prozent setzen auf eine stärkere dezentrale Entscheidungsfindung, um möglichst viele Meinungen und Sichtweisen aus dem eigenen Unternehmen und von Partnern zu erhalten.

Auch neue Technologien spielen eine zunehmende Rolle in der Gegenstrategie vieler Chefs: Oben an stehen die bekannten Lösungen wie Cloud Services (63 Prozent), mobile IT-Lösungen (61 Prozent) und Internet der Dinge (57 Prozent). Aber auch über Cognitive Computing (37 Prozent) und den Einsatz lernender Systeme denken sie nach, um disruptive Entwicklungen und versteckte oder künftige Mitbewerber früher zu erkennen.

Und dabei gilt: Je verschwommener das Bild der Konkurrenten und je schneller das Tempo des Wandels ist, desto weiter müssen sich die Entscheider umschauen – und zwar in alle Richtungen. Viele der Befragten beklagten, dass es immer schwieriger werde, über die unmittelbare Zukunft hinauszusehen. Hier könnten den Entscheidern das innovative Wissensmanagement wie etwa Crowdsourcing helfen.

Wie stark der Wandel ist, verdeutlicht ein Topmanager des japanischen Unternehmens Menicon an einem Beispiel: «Der 3D-Druck wird große Auswirkungen auf die Materialentwicklung haben. Viele Produkte werden sich in der Zukunft durch die Materialien unterscheiden, aus denen sie hergestellt werden, nicht durch die Art und Weise, wie sie hergestellt werden.»

 

   


Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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