CFO-Studie:

Geschäftsprozessmeister.

Organisation, Prozesse und IT sind für Finanzchefs im deutschsprachigen Raum laut einer Umfrage von Horváth & Partners derzeit größere Herausforderungen als die klassischen Finanzthemen.  

  

Finanzchefs in Deutschland, Österreich und der Schweiz sehen Maßnahmen zur Automatisierung, Standardisierung und Integration von Prozessen und Systemlandschaften in ihren Organisationen als besonders wichtig an. Dies geht aus der aktuellen CFO-Studie der Managementberatung Horváth & Partners hervor, an der über 200 leitende Verantwortliche des Finanzbereichs in Unternehmen unterschiedlichster Branchen aus dem deutschsprachigen Raum teilnahmen. 

Neun von zehn Studienteilnehmern halten diese Themen aktuell für wichtig. Ebenso viele sehen in der Reorganisation und Neuausrichtung der Prozesse sowie in der Festlegung von Prozessverantwortlichen wichtige Hebel zur Leistungssteigerung des CFO-Bereichs. Optimierungspotential bietet darüber hinaus die Schaffung einer konzernweit einheitlichen Steuerungslogik. «Bis 2020 planen CFOs eine auf das Geschäftsmodell ausgerichtete Steuerungslogik aufzusetzen und Wertschöpfungsprozesse bestmöglich aufeinander abzustimmen», sagt Studienleiterin Dr. Jana Heimel. 

 

Prozesse & IT statt Risikomanagement.
Insgesamt bewerteten die befragten Finanzleiter den Themenbereich «Organisation, Prozesse & IT, Ressourcen» mit 86 Prozent als «wichtig» oder «sehr wichtig». Bei der vorhergehenden Studie 2012 sahen dies nur 77 Prozent so. Auch die Bedeutung des Controllings nahm zu: von 69 im Jahr 2012 auf jetzt 75 Prozent. Ein wesentlicher Erklärungsfaktor hierfür liegt in der steigenden Rolle des Business Partners begründet, bei der CFOs die Transparenz sicherstellen und schnelle Entscheidungen unterstützen. Nur leicht war die Steigerung des Bereichs Finance von 74 auf 76 Prozent. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld stellen Kapitalanlagen sowie ungenügende Liquiditätsreserven keine allzu großen Hürden dar.

Einen dramatischen Rückgang bei der Einordnung als «wichtig» oder «sehr wichtig» verzeichnete das Risikomanagement von 70 auf 62 Prozent. Die wichtigsten Herausforderungen bilden gemäß den Angaben der Studienteilnehmer die Reorganisation, die Standardisierung und damit verbunden die IT sowie der Umgang mit regulatorischen Veränderungen und Daten bei der Steuerungslogik. Etwa jeder zweite Finanzverantwortliche sieht in diesen Themen gegenwärtig eine Aufgabe, die es zu lösen gilt. «Immerhin ein Drittel der Unternehmen kommt nach eigener Einschätzung den erkannten Anforderungen noch nicht adäquat nach», sagt Studienleiterin Heimel. Etwa ein Drittel der befragten CFOs betrachtet außerdem fehlerhafte Daten und nicht vorhandene Standards als wichtige Themen. «Das sehen wir auch kritisch. Denn damit lässt sich der Informationsfluss innerhalb der Konzerneinheiten sowie mit externen Kunden, Lieferanten oder Partnern kaum transparent und effizient steuern», betont Kai Grönke, Partner und Leiter des Beratungsbereichs CFO-Strategie und -Organisation bei Horváth & Partners. 

 

Big Data und Value Chain-Controlling.
Gerade einmal etwa die Hälfte der befragten CFOs bewertet das Thema Big Data als relevant für ihr Unternehmen respektive ihren CFO-Bereich. Zwar verspricht sich die Mehrheit Verbesserungen bei Planung und Reporting sowie mehr Transparenz durch den Einsatz von Advanced Analytic Tools. Bislang haben allerdings Unternehmen derartige Tools noch nicht in großem Umfang eingeführt. Für eine erfolgreiche Umstellung auf Big Data und die Ausschöpfung der Potentiale durch das neu generierte Wissen müssen eine Big-Data-Strategie mit konkreter Umsetzungsplanung definiert und ein Pilot-Anwendungsfall umgesetzt werden. 

Im Controlling der Value Chain – vom Einkauf über Logistik bis zum Vertrieb – sehen die Finanzchefs der Unternehmen eine große Bedeutung. An der Spitze liegt hier das Vertriebscontrolling mit 81 Prozent, gefolgt von der Abstimmung der Wertschöpfungsprozesse mit 75 und der Einkaufssteuerung mit 72 Prozent. 

Horváth-Experte Kai Grönke sieht hier einen umfassenden Wandel kommen: «Im Zeitalter digitaler und globaler Unternehmensnetzwerke sind CFOs herausgefordert, die gesamte Wertschöpfungskette im Blick zu haben und den Wertbeitrag einzelner Funktionen oder Geschäftsprozesse auf die Finanzkennzahlen transparent zu machen.»

Doch die Umsetzung in der Praxis hinkt dem Wunsch der Finanzchefs noch hinterher: Realisiert ist in den Unternehmen das Vertriebscontrolling aber erst zu 57 Prozent,  die Abstimmung der Wertschöpfungsprozesse zu 39 und die Einkaufssteuerung zu 47 Prozent.

Das Controlling neuer Medien wie Social Media und Onlineforen spielt noch eine untergeordnete Rolle: Das Internetcontrolling wird von 49 Prozent als bedeutsam erachtet, aber von weniger als einem Drittel praktiziert. Bei der Social Media-Steuerung liegen die Werte mit 36 Prozent Wichtigkeit und 16 Prozent Praxiseinsatz sogar noch niedriger.

Entscheidend dagegen ist für viele der befragten Finanzverantwortlichen, dass ihre Unternehmen in der Modernisierung der Organisation große Fortschritte machen: 61 Prozent geben an, dass sie ihre Prozesse bereits zentral reorganisiert haben. Und die Standortkonsolidierung steht bei rund einem Drittel auf der Agenda. «Wir sehen Trends zur weiteren Zentralisierung und Internationalisierung», betont Horváth-Fachmann Kai Grönke. 

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net 
© ProfilePublishing Germany GmbH 2014_2015. Alle Rechte vorbehalten. 
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der ProfilePublishing Germany GmbH

Business Intelligence Magazine: Springe zum Start der Seite