Festo

Klarsichtprogramm.

Der Weltmarktführer für industrielle Automatisierungstechnik setzt auf ein effektives und transparentes Management-Reporting. Dafür strukturiert das Unternehmen seine Business Intelligence-Architektur um.

*Von Nora F. Scholz

 

Mit 61 Landesgesellschaften ist Festo in der Steuerungs- und Antriebstechnik weltweit erfolgreich. Entsprechend groß ist die Herausforderung, die Topentscheider in allen Bereichen mit einheitlichen und standardisierten Analysen zu versorgen. Um den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden, strukturiert das Traditionsunternehmen das Reporting mithilfe von Business Analytics entsprechend um. 

Früher speisten sich die Berichte bei Festo aus drei regional getrennten Data Warehouses. Wo die angefragten Daten lagen und ob sie einheitlich, aktuell und damit valide waren, musste erst mühsam ermittelt werden. Außerdem wurden (mit SAP Business Objects) die Reports nicht zentral erstellt, sodass am Ende unnötige redundante Berichte entstanden. So erhielten beispielsweise die einzelnen Abteilungen, Fachbereiche und Landesgesellschaften, die den Umsatz des Vortages erfragten, auf der Ebene der Regionalsysteme einzelne Reports. «Vor etwa drei Jahren entschieden wir dann, dass wir unsere Business Intelligence aufräumen müssen», sagt Marc Werner-Nietz, Leiter der Bereiche Collaboration und Reports. 

Die grundlegende Umgestaltung der Business Analytics begann mit einer Ablösung der drei regionalen Statistiksysteme durch ein zentrales Data Warehouse (SAP BW 7.4 HANA) im sogenannten «PILOT-Projekt». Unter Leitung der Finanzabteilung wurde intensiv an der Qualität der Daten gearbeitet, um einen Zustand des Single Point of Truth mit einheitlich definierten Kennzahlen zu erreichen.

 

Schnelle Dashboards.
Die nächste Stufe des Projekts, das analytische Reporting, wurde mithilfe der Software SAP BW und SAP BEx standardisiert. Wegen der einheitlichen Datenbasis muss pro Anfrage nur noch ein Report erstellt werden, der überall auf der Welt auf den identisch definierten Zahlen beruht. «So haben wir es geschafft, die operative Transparenz aus dem Finanzbereich hinaus in das Unternehmen zu tragen», betont Marc Werner-Nietz. 

Die Spitze der Business Intelligence-Architektur bildet seit etwa zwei Jahren das Management-Dashboard als Endnutzeranwendung. Wichtige Standards wie etwa das Sales Perfomance Management oder die Marktpotentialanalysen können damit im Browser oder als mobile Anwendung auf einem iPad abgerufen werden. 

Bei dieser Visualisierung der Reports entschied Festo sich für die Softwarelösung von MicroStrategy, die momentan in der Version 9.4 und ab Mitte des Jahres in der Version 10 genutzt wird. Die Vorteile dieser Lösung liegen nach Angaben von Marc Werner-Nietz zunächst einmal in der überzeugenden grafischen Aufbereitung, vor allem für den mobilen Bereich, der bei Festo im Management-Reporting eine bedeutende Rolle spielt. 

Ein weiterer Pluspunkt der Software sei die exzellente Möglichkeit der Office-Integration. Besonders überzeugt außerdem das Microstrategy-Tool Visual Insight, das es erlaubt, sehr zügig neue Dashboards als Entwurf zu erstellen. «Diese Option hat sich bewährt, um in kurzer Zeit etwas auszuprobieren und die Anforderungen der Fachbereiche am konkreten Beispiel abzustimmen. Wird dieser Prototyp angenommen, beginnt dann die Umsetzung in Pixel Perfect», erklärt Festo-Experte Marc Werner-Nietz. 

Darüber hinaus verfolgt das Management von Festo mit der Umgestaltung das Ziel, innerhalb der standardisierten Reports und Dashboards eine größtmögliche Flexibilität zu schaffen. Self-Service-BI  findet innerhalb der Standardanwendungen statt, um die Datenhoheit bei der IT zu belassen und damit eine konstante Datenqualität zu garantieren. Dem Nutzer stehen im vorgegebenen Rahmen vielfältige Filter und Drilldowns für Ad-hoc-Analysen zur Verfügung.

Will der Sales Manager beispielweise abschätzen, ob bei einem Kunden zusätzliche Besuche notwendig sind, kann er im Standard-Tool für das Sales Performance Management die Zahl der Besuche im letzten Jahr, Quartal oder Monat ins Verhältnis zu den aktuellen Budget- oder Umsatzzahlen in Bezug auf diesen einzelnen Kunden setzen. Solche individuellen Anfragen können dann auch als Bookmark gespeichert und zum Beispiel in der Abteilung distribuiert werden. Besteht der Bedarf, kann die IT mithilfe der MicroStrategy-Software daraus auch ein neues Management-Dashboard erstellen.

 

«Festo Room System» für Meetings.
Ihren Weg in das operative Geschäft – und zwar nicht nur im Topmanagement – finden die Management-Dashboards etwa bei Meetings mit dem «Festo Room System», das inzwischen in vielen Besprechungsräumen installiert ist. Webkonferenzen bringen die Teilnehmer an einen Tisch. Und mittels Desktop-Sharing dienen die Management-Dashboards als Entscheidungsgrundlage. 

Wird in einem Meeting beispielsweise über die Landesgesellschaft Großbritannien diskutiert, so können die Teilnehmer über einen Drilldown in die Tagesumsätze tiefer in die Details der entsprechenden Division einsteigen und unmittelbar die Zahlen des letzten Tages, Monats, Quartals oder Jahres einsehen. Ergebnisse und Notizen werden dann (mittels Microsoft OneNote) unmittelbar festgehalten, sodass die Besprechung möglichst effizient genutzt wird. «Hier wächst das Thema der Collaboration, also der Zusammenarbeit, und Business Analytics im Unternehmens-alltag bestmöglich zusammen», erläutert Marc Werner-Nietz. 

Der wichtigste betriebswirtschaftliche Nutzen der neuen BI-Architektur liegt laut dem Festo-Fachmann in einer großen Zeit-ersparnis. Außerdem sind heute, zum Beispiel im Vertrieb oder in der Zulieferkette, Auswertungen möglich (im Zusammenspiel der Softwarelösungen MicroStrategy und HANA), die früher aufgrund der langen Ladezeiten nicht realisierbar waren. 

Die einheitliche und transparente Definition der KPIs und die sehr einfache Art und Weise, die Reports mittels MicroStrategy über optisch ansprechende und übersichtliche Dashboards im Browser oder auf dem iPad zur Verfügung zu stellen, sind für das Management-Reporting ein großer Effektivitätsgewinn. Die Topmanager können, ganz gleich ob im Büro, am Flughafen oder im Hotel, immer aktuelle und aussagekräftige Informationen über die Dashboards abrufen – und sofort die Entscheidungen treffen.

 

Ausbau mobiler Lösungen.
Zwei Drittel des Weges hin zu einer direkten Integration flexibler Standardanwendungen in das BI-Portal sind laut Werner-Nietz bereits geschafft. Dass Festo im vergangenen Jahr den zweiten Platz des «BARC Best Practice Awards» belegte, bescheinigt ebenfalls den Fortschritt des «PILOT-Projekts». Noch fehlen zwar Teile der Datenbasis und auch die Durchdringung in den Fachbereichen ist noch nicht abgeschlossen. Außerdem soll in Zukunft nicht nur das Topmanagement von der mobilen Anwendung der Management Dashboards profitieren: Auch für die Mitarbeiter etwa des Außendiensts arbeitet die IT an mobilen Lösungen für das iPhone. Diese werden dann als Auszüge der vollständigen Management-Dashboards vereinfacht auch dort zur Verfügung stehen. Marc Werner-Nietz ist hochzufrieden:  «Wir sind auf einem sehr guten Weg.» 

 

 

Profil: Festo AG & Co. KG
Hauptsitz: Esslingen bei Stuttgart
Branche: Maschinenbau, Automatisierung
Umsatz: 2,45 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 17’800
BI-Lösung: MicroStrategy, SAP

   

  


Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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