Interview Data Governance

Mangel an klarer Vision

Data Governance ist eine zunehmende Herausforderung für das Management. Dennoch wird es in vielen Unternehmen vernachlässigt. Am 3. September öffnet in Zürich der Data Governance Day des BARC-Instituts seine Tore. Die erstmals veranstaltete Konferenz vermittelt Fachwissen zu allen wesentlichen Aspekten. Fragen an den BARC-Experten Herbert Stauffer.

 

Worum geht es bei Data Governance?
Stauffer:Eine Data Governance klärt in Unternehmen die Rahmenbedingungen für  den korrekten und rechtmäßigen Umgang mit Informationen und schafft die Voraussetzungen einer Datenstrategie. Sie regelt Verantwortlichkeiten und sorgt für deren Verankerung in den Geschäftsprozessen. Dazu gehören alle Themen der IT wie zum Beispiel Datenqualität, Archivierung oder IT-Sicherheit. Wichtige Fragegestellungen wie etwa „Wer ist der Datenverantwortliche?“, „Wie stellen wir die notwendige Datenqualität sicher?“ oder „Welche Aufbewahrungsfristen gelten?“ werden geklärt.

 

Inwiefern hat die Lösung dieser Fragen für Unternehmen auch betriebswirtschaftliche Relevanz?
Stauffer: Korrekte und schnell verfügbare Daten sind heute ein wichtiges Kapital der Unternehmen. Data Governance erhöht das Vertrauen und ermöglicht eine bessere Nutzung der verfügbaren Informationen in der Organisation. Dadurch werden die Voraussetzungen zur datengetriebenen Unternehmen geschaffen, was letztendlich ein immensen Wettbewerbsvorteil ist.. Im Weiteren unterstützt eine Data Governance bei der Erfüllung von rechtlichen und betrieblichen Anforderungen, sowie bei der Minimierung von Risiken

 

Wie ist der Stand in den Unternehmen bezüglich Data Governance?  
Stauffer: Im Management wird zunehmend die Bedeutung von Data Governance erkannt. Jedoch hapert es meist noch bei der organisatorischen Umsetzung: Alle wissen zwar, dass sie etwas tun sollten, aber nur wenige Unternehmen gehen das Thema bereits wirklich aktiv an. Kürzlich fragten wir in einer Veranstaltung, wie sie die Data Governance anhand eines Reifegradmodells in ihrer Unternehmung einschätzen würden. Das nicht repräsentative Ergebnis zeigte, dass überall noch großes Entwicklungspotential vorhanden ist.  

 

Gibt es dennoch Bereiche von Data Governance, die bereits fortgeschrittener sind? 
Stauffer: Die Anforderungen des Datenschutzes und der Datensicherheit sind in den meisten Unternehmungen auf einem akzeptablen Level erfüllt. Auch die Archivierung im Rahmen der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen ist weitgehend vorhanden.  Ein übergreifendes Schnittstellenmanagement indes, also die Übersicht, wo und wann genau im Unternehmen die Daten verwendet und verteilt werden, existiert häufig nicht einmal in Ansätzen

 

Wer sollte Data Governance im Unternehmen verantworten? 
Stauffer: Vor dem Hintergrund der europäischen Gesetzeslage ist Data Goverance ganz klar eine fachliche Angelegenheit für das Topmanagement. Am besten erscheint mir die Ansiedlung beim CFO, der Rechtsabteilung oder einer speziellen Stabsabteilung in der Unternehmensspitze. Data Governance ist klar nicht ein reines IT-Thema, obwohl in vielen Unternehmungen die IT-Abteilung eine massgebliche Rolle übernimmt. 

 

Und wie sieht die Realität im Management aus? 
Stauffer: Meist fehlt eine zentrale Führung bei Data Governance. Nur wenige Unternehmen können heute einen Leiter eines Data Governance Programms benennen. Es herrscht zudem vielfach ein Mangel an klarer Vision, die unternehmensstrategische Ziele mit Hilfe von Daten und Analytik unterstützt. Die Daten werden noch nicht als Asset erkannt; Die Datenqualität wird nicht gemessen und verbessert. Potentiale bleiben ungenutzt. 

 

Welche Konsequenzen hat das? 
Stauffer: Den Unternehmen fehlt dadurch der Orientierungsrahmen, was für die Mitarbeiter zu einer Verunsicherung führt. für die effiziente Umsetzung zielgerichteter Analysen. im Kontext mit Business Intelligence besteht die Gefahr, entweder in einer Datenflut unterzugehen, mit schlechten oder veralteten Daten falsche Entscheidungen zu treffen oder vorhandene Daten nicht zur Unternehmensführung zu nutzen

 

Die Gefahr liegt also darin, dass Data Governance als lästige Pflichtübung angesehen wird? 
Stauffer: Das ist nicht das einzige Problem: Es entstehen auch erhebliche Reibungsverluste in den Unternehmen, weil wegen des fehlenden Schnittstellenmanagements meist gar nicht klar ist, wo welche Informationen im Unternehmen verteilt und genutzt werden, respektive welche Daten überhaupt existieren

 

Herbert Stauffer ist Geschäftsleiter Schweiz beim Business Application Research Center (BARC)

 

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net 
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