Maschinenbau

Präzisionsverständnis.

Der rheinische Spezialmaschinenbauer Reifenhäuser steuert sämtliche Geschäftsbereiche mit einer einheitlichen BI-Lösung. Dieser sonst noch sehr seltene Ansatz ist Teil einer hochmodernen Strategie.

*Von Sven Hansel

 

Hochwertige Kunststoffmaschinen in Einzelanfertigung sind das Markenzeichen des Familienunternehmens Reifenhäuser. In Troisdorf südöstlich von Köln beheimatet, entwickelt die Hightech-Schmiede von dort aus Maschinen und Anlagen für Kunden aus der ganzen Welt. Im Zentrum steht dabei das sogenannte Extrusionsverfahren, bei denen vor allem erhitzte Kunststoffe durch speziell geformte Werkzeuge gepresst werden. Reifenhäuser ist auf diesem Gebiet Weltmarktführer.
Die Kunden produzieren damit zum Beispiel Folien für Lebensmittelverpackungen oder die Landwirtschaft, Vliesstoffe für Windeln und Verpackungsbänder, die Pakete, Steine oder große Baumwollsäcke zusammenhalten.

Einzelfertigung nach Kundenwunsch.
Die Maschinen aus dem Hause Reifenhäuser haben einen sehr hohen Qualitätsstandard. Sie werden spezifisch entsprechend den jeweiligen Kundenanforderungen gebaut – in Form von qualitativ extrem hochwertigen Einzelanfertigungen bei einer Preisspanne von zwei bis über 20 Millionen Euro. Dies geschieht auch, weil sich Kunststoffe beispielsweise in einer Produktionshalle im heißen Brasilien klimatisch bedingt anders verhalten als im kühlen Dänemark.

In so individuellen Märkten ist die Stellung eines Herstellers wie Reifenhäuser natürlich stark. Jedoch muss auch er ständig flexibel auf Rahmenbedingungen reagieren, die sich fortlaufend ändern, etwa aus ökologischer Perspektive. «Wir ermöglichen zum Beispiel die Verarbeitung von alternativen Rohstoffen, die besondere Anforderungen an den Maschinenbau stellen. Das kann beispielsweise der Golf-Pin sein, der im Freien ökologisch unbedenklich verrottet», beschreibt Ralf Krüger, IT-Chef bei Reifenhäuser, jüngste Produktentwicklungen.

Andere Anforderungsszenarien können so aussehen: Welche alternative Werkstoffe könnte es angesichts des absehbaren Endes des Rohstoffs Öl geben, aus denen die Reifenhäuser-Kunden ihre Folien fertigen lassen? Bereits heute werden Mischprodukte wie Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe eingesetzt. Damit lassen sich etwa Terrassenböden verlegen, die eine echte Alternative zu Tropenholz darstellen: Sie bieten echtes Holzgefühl, sind aber durch den Kunststoffanteil wesentlich haltbarer.

Um die Technologieführerschaft langfristig zu behaupten, hat der innovative Maschinenbauer nicht nur eine ausgeprägte Forschungs- und Entwicklungsabteilung, sondern auch eine hohe Affinität zu Business Intelligence-Themen, wie Ralf Krüger erläutert: «Unsere Märkte verlangen nach Agilität und verursachen permanent sich verändernde Kennzahlen. Diese Indizes brauchen ein ebenso agiles System, mit dem man in kürzester Zeit Auswertungen erstellen kann.»

Auswertungen mit agilem BI-System.
Die Konsequenz ist eine BI-Struktur, die tief in die Wertschöpfung eingebunden ist. Bei dem Maschinenbauer setzt man dafür auf die Softwarelösung Qlik mit einer maximalen Anwendungstiefe.

Bei Standards wie Rückmeldungen aus der Auftragsannahme, der Erfassung von Produktivitätszeiten oder Stücklisten- und Stammdatenkontrollen oder Finanzkennzahlen genauso wie bei Kostenchecks bei der Mobiltelefonie oder Finanzkennzahlen wie Betrieblicher Altersversorgung, Kostenrechnung, offenen Posten oder Bestellvolumina ist das Tool längst im Einsatz.

Darüber hinaus dient die Lösung laut IT-Chef Krüger auch in der vergleichenden Analyse, «etwa im Bestandscontrolling.» Hier ist das Ziel, die Bestände so niedrig wie möglich zu halten, aber dennoch eine maximale Verfügbarkeit zu ermöglichen. «Wir haben durch Qlik eine Ersparnis von zehn Prozent erreicht. Bei einem durchschnittlichen Lagerbestand in Höhe von mehreren Millionen Euro steckt in solch einem Anwendungsfall schon richtig viel Musik drin», erläutert der BI-Fachmann.

Optimale Preisfindung im Einkauf.
Ähnlich sieht das Szenario im Einkaufsmanagement aus: Reifenhäuser ist zwar in verschiedene Business Units gegliedert, dennoch sind die jeweiligen Geschäftseinheiten eng miteinander vernetzt. Mithilfe von Qlik können die Einkäufer auch beim Einsatz unterschiedlicher ERP-Systeme nun beispielsweise  konzernweit nachschauen, ob eine bestimmte Antriebswelle bereits irgendwo auf der Welt schon einmal gekauft worden ist und so nach dem optimalen Preis fahnden – ganz getreu der Kaufmannsweisheit: «Im Einkauf liegt der Segen».

Das Unternehmen steuert darüber hinaus die weltweite Einsatzplanung seiner Monteure mittels Business Intelligence: «Wer ist gerade wo und wie lange im Einsatz?» Anhand der grafischen Darstellung der Lösung bekommt die Personalabteilung ein sehr transparentes Bild.

So richtig auf Hochtouren allerdings kommt das BI-System beim Verknüpfen von Daten aus den unterschiedlichsten Quellen, ermöglicht durch eine sehr schlanke  Software-Struktur. Denn neben SAP als führendem System nutzt der Maschinenbauer sonst so wenig Subsysteme wie möglich.

Doch mithilfe der Qlik-Lösung funktioniert das gut. Clevere Szenarien wie die Anlagenhistorie sind möglich: Der Verkäufer kann genau nachvollziehen, welcher Bestandskunde welche Anlage gekauft hat, welche Modernisierungen in der Vergangenheit bereits vorgenommen wurden und welche Auswirkungen das auf den Produktionsprozess hatte. Andere Kunden mit ähnlichen Anlagen können so gezielt beraten werden. «BI dient in diesem Kontext als optimale Brücke zwischen Technik und Vertrieb», erläutert Ralf Krüger.

Umfassendes Bild des Lieferanten.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Einkaufsbewertung: Hierin fließen zahlreiche Informationen aus der Gesamt-IT wie Liefertreue oder Bestellvolumina ein. Damit bekommt der Einkäufer bei der Preisverhandlung ein umfassendes Gesamtbild des Lieferanten und kann daher selbstbewusst argumentieren. Sogar Internetdaten wie beispielsweise Strompreise für Industriekunden aus Portalen fließen bei Reifenhäuser in die Analyse ein und werden mit den vorhandenen Tarifen aus SAP abgeglichen, um vielleicht doch einen besseren Marktpreis zu erhalten.

Auch bei der Personalplanung hilft die Verquickung unterschiedlichster Datenquellen. «Wir rechnen aus, wann unsere Mitarbeiter in Rente gehen werden und planen auf diese Weise die Nachfolge. Es ist ja nicht mehr so, dass tausende Absolventen vor den Werktoren stehen. In unserem hochspezialisierten Markt muss man deshalb frühzeitig aktiv neue Wege gehen», so Krüger.

Selbst Fertigungsmeister und Sachbearbeiter gehören bei Reifenhäuser nunmehr zu den begeisterten BI-Anwendern. 250 Qlik-Nutzer, das ist etwa jeder Vierte, gibt es bei dem Maschinenbauer – ein außergewöhnlich hoher Wert. Grund dafür ist sicher auch die Art und Weise der BI-Einführung: Die IT des Unternehmens kooperierte gleich zu Beginn sehr eng mit den Fachabteilungen und programmierte diesen zum Beispiel proaktiv als Vorschlag beispielsweise Bestellcockpits für das operative Geschäft. «Diese Lösungen mussten wir dann nur noch zu etwa 20 Prozent an die Bedürfnisse der Fachanwender anpassen», so Krüger.

Fitnessprogramme für Mitarbeiter.
Mit diesem Vorgehen ist das Unternehmen ein Vorbild für eine Transformation, die vielen Unternehmen noch bevorsteht: Die IT wandelt sich vom reinen Techniklieferanten zum Innovator geschäftsrelevanter Lösungen. Und wenn bei Reifenhäuser selbst die Krankheitsquoten der Mitarbeiter (wie bei allen BI-Projekten in enger Kooperation mit dem Betriebsrat) in das Business Intelligence-System einfließen und aufgrund der daraus gewonnenen Erkenntnisse spezielle Fitnessprogramme wie etwa eine Rückenschule für die Mitarbeiter entwickelt werden – dann ist Business Intelligence in der Mitte des Unternehmens angekommen. 

 

Profil: Reifenhäuser
Hauptsitz: Troisdorf bei Köln
Branche: Maschinenbau
Mitarbeiter: 1’300
BI-Lösung: Qlik
         


Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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