Automobilität

Starwars.

Die Revolutionäre des Silicon Valley definieren das Auto neu: als digitalen Knotenpunkt. Statt Einzelfahrzeugen steht Software für autonome Verkehrssysteme im Vordergrund. Trotz einiger Rückschläge wie derzeit bei Apple: Daimler, BMW und Audi sind in der Defensive.  

Vor anderthalb Jahren, als Apples Autoprojekt Titan bekannt wurde, reagierte Daimler-CEO Dieter Zetsche arrogant: Apple habe auch keine schlaflosen Nächte, wenn es Gerüchte über ein Mercedes-Smartphone gäbe.

Mittlerweile gibt es immer noch kein Mobilgerät mit dem Stern. Apple hingegen ist mit seinem Auto schon ziemlich weit. Zwar wird das iCar frühestens 2020 auf den Markt kommen. Aber die Vorbereitungen und die damit verbundenen Mobilitätsdienste im Zeichen des Apfel-Logos laufen auf Hochtouren. Mindestens zehn Milliarden Dollar hat Apple-Chef Tim Cook bereits investiert. Er verfügt über viermal soviel Cash wie Daimler, BMW und Audi zusammen. Und dass der Computerkonzern völlig neue Märkte erobern kann, hat er mit dem iPhone bewiesen.

Auch andere Silicon Valley-Unternehmen wollen den Automarkt entern. Google testet unter der Führung des Mitgründers und Chairman der neuen Muttergesellschaft Alphabet, Larry Page, selbstfahrende, hochgradig vernetzte Stadtautos und will sein bei Smartphones erfolgreiches Android-Betriebssystem auf die Autowelt übertragen. Travis Kalanick, Chef des Fahrdienstleistungsvermittlers Uber, setzt auf die totale Virtualisierung der Automobilnutzung und will zusätzlich Robotik-Taxis entwickeln.  

Die Zeichen aus dem Hightech-Tal sind eindeutig: Das Auto der nahen Zukunft soll mehr sein als nur ein reines Gefährt: Es soll – neben dem Smartphone – zum digitalen Knotenpunkt unseres immer mobileren Lebens, zu einem hochgradig intelligenten, vielseitig vernetzten Assistenten werden, den man sich zumindest in der Stadt eher mietet als kauft. BMW-Lenker Harald Krüger hat diesen Trend erkannt und die Weiterentwicklung des in Europa erfolgreichen Drive Now-Services in den USA zum ReachNow-Service ausgebaut (Business Intelligence Magazine Nr. 2/16, Seite 28 ff.). Auf diesem Gebiet ist der Erzrivale aus Stuttgart noch nicht ganz so weit, umso weiter indes – am weitesten von weltweit allen Anbietern – bei der Entwicklung autonom fahrender Autos.

Die entscheidenden Innovationen aus dem Silicon Valley aber liegen auf anderen Gebieten: Einerseits geht es, vor allem bei Google, um die allumfassende Verbindung des Autos mit dem Internet, die damit verbundene Informationssammlung (Big Data, Analytics) und die Integration verschiedenster Services.

Auf diesem Gebiet hat zwar auch Apple einiges vor (wie der Kauf des chinesischen Uber-Pendants Didi für eine Milliarde Dollar zeigt), doch nimmt der Smartphone-Pionier eher den Innenraum des Autos ins Visier: Dabei geht es um Neuerungen wie die intuitive Bedienbarkeit oder den Komfort durch Maps, Entertainment, Park- und Konferenzdiensten.

Bis vor wenigen Monaten sah es so aus, als kämen Daimler, BMW und Audi mit Apple, Google und Uber ins Geschäft. Zetsche eruierte die Entwicklung gemeinsamer Autos, Krüger sondierte Produktionsaufträge, Audi-Lenker Rupert Stadler bot Vernetzungstechnik an.

Doch es kam nichts Greifbares heraus. Die deutschen Autobauer zogen sich wieder zurück. Sie fürchten, dass Apple und Google vor allem Know-how abziehen und die Kontrolle über die Betriebssysteme in den Automobilen an sich reißen könnten.

Während Daimler, BMW und Audi nun wie gelähmt auf die Entwicklungsdynamik schauen, werben die Silicon Valley-Strategen bei ihnen die benötigten Fachkräfte ab. In Berlin etwa wechseln immer mehr Experten des Kartendienstentwicklers Here – eines Joint Venture von Daimler, BMW und Audi – zu Apple Maps.

Mittlerweile sind die Autochefs kleinlauter geworden: Zetsche korrigierte kürzlich seine  überhebliche Smartphone-Aussage und gab eher bescheiden zu Protokoll: «Apple und Google können mehr, als wir dachten.» Audi-Chef Rupert Stadler wird deutlicher: «Es geht ums Überleben.»

 

Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net 
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