Data Warehousing

Wahlfreiheit.

Die neue Business Suite von SAP (S/4HANA) verspricht hohen Nutzwert. Doch die Technik eignet sich nicht für alle Ansprüche. Oft empfiehlt sich eine Kombination mit dem eigenständigen Data Warehouse.

* Von Christina Eilers

 

Die Erwartungen der Anwender von Reporting- und Planungssystemen an die neuen Lösungen sind hoch: Informationen sollen in Echtzeit zur Verfügung stehen sowie mit beliebigen lokalen und externen Informationen verknüpfbar und mittels moderner und flexibler Analysetools auswertbar sein.

Doch lassen sich diese hoch gesteckten Ziele tatsächlich in die Realität umsetzen? Wieviel Aufwand ist damit für die IT-Abteilung und den Fachbereich verbunden? Und wie sieht der Weg zur neuen Plattform aus?


Vorkonfigurierte Business-Modelle.
Das SAP Business Information Warehouse (SAP BW) hat sich seit vielen Jahren als eine Standardplattform für unternehmensweite Reporting- und Planungsanwendungen etabliert und einen guten Reifegrad erreicht.
Zum Erfolg tragen zum einen die vorkonfigurierten Business-Modelle bei, welche eine schnelle und stabile Integration zwischen Datenquelle und Bericht ermöglichen. Zum anderen gilt die Plattform als sehr solide und skalierbar und bietet die Basis für einen schnellen Zugriff auf Berichtsinformationen.

Mit der neuen In-Memory-Technologie, mit der SAP HANA arbeitet, ist ein leis-tungsstarkes Reporting nun auch direkt im Quellsystem möglich. Da liegt die Vermutung nahe, dass sich Unternehmen den Aufbau eines separaten unternehmensweiten Systems für Reporting und Planung sparen können und den Zugriff auf die Unternehmensdaten direkt dort ermöglichen, wo die Informationen entstehen: in der SAP Business Suite selber.


Schwer überschaubare Optionen.
Eigentlich sollten Anwender davon ausgehen können, dass die Systemarchitektur  und auch die Modellierungsmöglichkeiten durch den Einsatz einer HANA-Datenbank extrem vereinfacht und flexibler werden. Grundsätzlich stimmt das auch. Jedoch schafft genau diese Flexibilität eine nur schwer überschaubare  Vielzahl möglicher Optionen und Szenarien, welche bei der Architekturentscheidung in Betracht gezogen werden müssen.

Es ist daher elementar, frühzeitig und sorgfältig eine Grundsatzentscheidung zu fällen, welche die Basis für alle weiteren Überlegungen ist: Setzt das Unternehmen auf ein separates Data Warehouse oder will es die Anwendungen direkt in der S/4 HANA Business Suite aufbauen?  


Spezifische Anforderungen.
Zur Beantwortung dieser Kernfrage gibt es keinen für alle Unternehmen funktionierenden Best-Practice-Ansatz. Die passende Auswahl hängt von den spezifischen Unternehmensanforderungen ab.

Hilfreich für eine fundierte Entscheidung ist es auf jeden Fall, zunächst die grundlegenden Vorteile eines eigenständigen Data Warehouse nüchtern zu betrachten und kritisch zu hinterfragen, ob diese nach einer S/4HANA-Einführung noch Bestand haben würden.


Die Vorteile von S/4HANA.
Für das neue S/4HANA spricht vor allem seine Leistungsfähigkeit: Ein Berichtswesen mit schnellen Antwortzeiten ließ sich früher nur aufbauen, indem die Daten in aggregierter Form in ein separates System überführt und dort die Berichte ausgeführt wurden. Diese  technische Frage spielt seit Einführung der In-Memory-Technologie eine eher untergeordnete Rolle und stellt keine Limitation mehr dar, weil Berichte auch direkt in der SAP Business Suite erstellt werden können.
Aufgaben, die von beiden Lösungen gleich gut bewältigt werden können, betreffen die Bereiche:

  • Datenbereinigung/Harmonisierung: Eine Verknüpfung und Bereinigung von Daten, um zum Beispiel die Informationen in speziellen Berichtsstrukturen darzustellen, wird in beiden Fällen gewährleistet.
  • Historisierung/Analysen von Veränderungen im Zeitverlauf:  Um diese Anforderung zu ermöglichen, müssen die Daten persistent (dauerhaft) gespeichert werden.
  • Reporting auf einem höheren Aggregationslevel: Dies ist ebenfalls bei beiden Varianten möglich.
  • Unternehmensplanung: Plandaten können bei beiden Varianten eingegeben und gespeichert werden. Im S/4HANA System wurde hierfür eigens die Lösung «BPC 10.1 Optimized for S/4HANA Finance» entwickelt.

 

Die Stärken des Data Warehouse.
Das eigenständige Data Warehouse eignet sich besser bei:
Zusatzinformationen: Eine Anreicherung der Daten mit ergänzendem Input, etwa durch die Verknüpfung mit externen Marktdaten, gelingt nur dann, wenn diese auch im gleichen System verfügbar sind. Sonst müssen die fehlenden Daten in das System eingelesen werden, in dem sie benötigt werden. Externe Daten sollten jedoch nur beschränkt in das operative HANA-System eingespielt werden (etwa um operative Prozesse zu unterstützen). Das SAP BW ist hier also die klügere Wahl.
Informationen aus heterogenen Systemen in ein standardisiertes Datenmodell zusammenführen: Dafür ist das klassische SAP BW besser geeignet, da es Daten aus unterschiedlichsten Quellen einheitlich darstellen kann; ein Datenmodell in S/4HANA würde sich eher an der Struktur in der Business Suite orientieren.

Bei der Governance kann es zudem weiterhin besser sein, beide Systeme getrennt zu halten – zum Beispiel wenn der Zugriff auf die Business Suite nicht für alle Anwender von Berichten und Planungsanwendungen möglich sein soll. Dies kann zum einen lizenzrechtliche Gründe haben oder aber auch im Hinblick auf Sicherheit relevant sein

Es wird klar, dass der alleinige Einsatz von Reportinglösungen in S/4HANA nicht in allen Fällen die richtige Entscheidung ist – so leistungsstark sie auch sei. Eine Vielzahl der Argumente, welche für den Einsatz eines separaten Data Warehouse sprechen, haben weiterhin Gültigkeit.


Investitionen sichern.
Deshalb sollten für die Entscheidung, ob eine Verlagerung der Berichts- und Planungsanwendungen in die Business Suite sinnvoll ist, das bestehende Data Warehouse und die darauf basierenden Berichte mit in die Überlegungen einbezogen werden. Denn viele Unternehmen haben hohe Investitionen in Berichtslandschaften getätigt, welche sich erst noch amortisieren müssen.

Ebenfalls relevant sind die Anzahl und die Arten der Systeme. Handelt es sich lediglich um ein S/4HANA-System oder gibt es noch weitere Business Systeme? Sollen die Daten an einem zentralen Ort zusammengeführt werden?
Mit der Einführung von S/4HANA werden gleichzeitig zahlreiche neue Funktionen – zum Beispiel für Accounting – ausgeliefert, welche eine Anpassung der bestehenden Strukturen der Datengewinnung und Berichte erfordern. In diesem Fall ist ein kompletter Neuaufbau in S/4HANA sinnvoll.


Bestehende Lösungen analysieren.
Auch die Größe des Data Warehouse, die Anzahl und Komplexität der bereits produktiv genutzten Berichts- und Planungslösungen sowie die Aktualität der Technologie spielen eine Rolle. Daher empfiehlt es sich, erst die bestehenden Berichts- und Planungslösungen zu analysieren, ehe das Management die Zielarchitektur und die Roadmap festlegt.
Denkbar ist auch eine kombinierte Lösung, bei der die operativ orientierten Berichte direkt in der neuen Business Suite zur Verfügung stehen, während die aggregierten Informationen im Data Warehouse mit weiteren (externen) Daten verknüpft werden. Da die Werkzeuge beider Systeme einheitlich sind, stellen die Anwender während der Bedienung in ihrem Arbeitsalltag keinen Unterschied fest.


Bestimmung der Zielarchitektur.
Bei der Bestimmung der Zielarchitektur sollten auf jeden Fall auch die neuen Funktionen berücksichtigt werden, welche SAP BW on HANA bietet. Beispielsweise werden keine multidimensionalen Objekte mehr benötigt; dadurch entfällt mindestens eine Schicht in der Datenmodellierung, was zu einer verringerten Komplexität führt.

Die In-Memory-Technologie ermöglicht außerdem schnellere Datenladezeiten, sodass die typischen Engpässe früherer nächtlicher Ladezeiten vermieden werden. Des Weiteren ist die Einbindung externer Datenquellen unterschiedlichster Herkunft wesentlich einfacher, wenn virtuell auf die Daten, die nicht mehr redundant vorgehalten werden müssen, zugegriffen werden kann.


Keine Revolution.
Unter dem Strich lässt sich klar festhalten: Die neue In-Memory-Technologie revolutioniert sicher nicht die ganze Welt des Data Warehousing. Sie ermöglicht eher einen weiteren Evolutionsschritt auf dem Weg der Data Warehouse-Architektur hin zu analytischen Services.

Mit der neuen Datenbanktechnologie HANA wird nun der tatsächliche Zugriff auf Informationen in Echtzeit möglich und bietet die Verknüpfung von Daten aus den unterschiedlichsten Funktionsbereichen. Dabei sind die Berichtstools wesentlich interaktiver und flexibler.

 

* Christina Eilers ist Expertin für Business Intelligence im Competence Center Controlling & Finance bei der Managementberatung Horváth & Partners in Stuttgart. 

 

   


Quelle: BUSINESS INTELLIGENCE MAGAZINE, www.bi-magazine.net
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